Das Konzept

Lübecker Lautgesten

leichter lesen lernen mit Handzeichen

„Lautgesten" sind Handzeichen - als Hilfe zum Lesen lernen. Sie symbolisieren die Verbindung eines gesprochenen Lautes und des ihm zugeordneten Buchstaben. Der Begriff ist ein Synonym für „Lautgebärden", der in der Fachliteratur ebenfalls verwendet wird. Um die Gefahr der Verwechslung mit der Gebärdensprache der Gehörlosen auszuschließen, wird hier durchgehend der Begriff Lautgesten verwendet.

Der Einsatz von Lautgesten im Erstleseunterricht kann nachweislich gerade in den ersten Schulwochen eine eminent wichtige und wirksame Hilfe für viele Kinder darstellen. Das Lernen mit allen Sinnen, mit vielen Wiederholungen, dazu motorisch unterstützt, erleichtert den letztlich sehr abstrakten Vorgang des Lesenlernens.

Es geht dabei um die Kopplung von Graphem und Phonem. Dieser Zusammenhang wird mit Hilfe der konsequent verwendeten Gesten trainiert und automatisiert.

Viele Lehrkräfte im deutschsprachigen Raum verwenden solche Handzeichen bereits seit vielen Jahren im Erstleseunterricht. Eine einheitliche Norm für Lautgesten gibt es bisher nicht. Selbstverständlich müssen diese Gesten aber zumindest innerhalb einer Schule unbedingt einheitlich eingesetzt werden. Um dieses zu erleichtern, haben wir diese Sammlung zusammen gestellt.

Die hier vorgestellten Lautgesten sind über mehrere Jahre lang erfolgreich in einer Lübecker Grundschule, einem Lübecker Förderzentrum sowie in diversen kleineren Fördergruppen erprobt worden. Letztlich profitieren davon sowohl „normale“ Grundschüler, Kinder mit präventivem oder sonderpädagogischem Förderbedarf sowie Kinder, die aus anderen Kulturkreisen zu uns gekommen sind.

Folgende Prinzipien liegen der Entwicklung dieser Lautgesten zu Grunde:

     •     Durch den Einsatz der Lautgesten ist der Anfangsunterricht täglich bewegungsorientiert.

     •     Das motorische Lernen mit Einbindung verschiedener Sinne ist direkter und effektiver als das rein kognitive Lernen.

     •     Lautgesten werden als Ergänzung des Leselehrgangs konsequent immer verwendet.

     •     Gleichzeitig dazu immer den Laut sprechen.

     •     Mit der Geste soll entweder die Abbildung des Buchstabens angedeutet werden.

Das Handzeichen orientiert sich dann weniger am Phonem, sondern eher am Graphem) -

oder aber es werden Assoziationen gebildet.                              

Beispiel G/g: Finger an die Gurgel ...          

Beispiel H/h: Hauchen in die Hand ...

     •     Die Gesten sollen sich untereinander deutlich unterscheiden. Aus diesem Grund werden bei einigen Buchstaben ganz bewusst beide Hände verwendet, damit sich die Lautgesten nicht zu sehr ähneln.

     •     Bei den Gesten, die mit einer Hand auskommen, wird die Nicht-Schreibhand eingesetzt, damit auch simultane Übungen (gleichzeitig schreiben und gestikulieren) möglich sind.

     •     Die Anzahl der Handzeichen soll überschaubar bleiben. Bei Buchstabenkombinationen beschränken wir uns daher auf die Wichtigsten (au - ei - eu - ch - sch).

     •     Für die Vokalkombinationen Au, Ei und Eu favorisieren wir bewusst kein eigenständiges Handzeichen, sondern empfehlen die jeweilige Buchstabenkombination A + u = Au. -

Für die Kollegen, die als Geste für das „Au“ jedoch den „Kneifer in die Wange“ kennen und favorisieren, gibt es noch eine zweite Tafel mit genau dieser Abbildung. Und auch bei „Ei“ und „Eu“ gibt es jeweils diese zweite alternative Tafel.

     •     Im Gegensatz dazu gibt es für das Graphem s c h  allerdings ein eigenes Zeichen, weil das Zusammenziehen dieser drei Einzellaute keinen Sinn macht.

Bei einigen Buchstaben gibt es bei einem Handzeichen zwei Aussprachevarianten (z. B. langes und kurzes E - oder C wie Cent und C wie Clown usw.). Diese Tafeln mit 2 phonetischen Varianten unterscheiden sich von den anderen dadurch, dass die beiden Buchstaben (sonst immer außen) in die untere Mitte rücken. Bei diesen Karten gibt es folgerichtig immer zwei Zeichnungen, die nicht mittig, sondern außen platziert sind.

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